Elisabeth Herrmann und Dr. Christine Otto: "Ringen sichtbar machen"
Die beiden Autorinnen Elisabeth Herrmann und Dr. Christine Otto erzählen, wie sie auf dieses Setting gekommen sind und was das Besondere an diesem Fall ist.
Der neue Fall führt die Bremer Ermittlerinnen ins Studierendenmillieu zwischen Club, Uni, Drogen und Leistungsdruck. Wie kamen Sie auf dieses Setting und was ist das Besondere an diesem Fall?
Unser Anspruch als Autorinnen ist es, mit einem emphatischen, aber unbestechlichen Blick die Atemlosigkeit unserer leistungsfixierten Gegenwart zu erzählen. Der Ausgangspunkt für "Wenn man nur einen retten könnte" ist ein reales Erlebnis, das uns erschüttert hat: eine junge Frau, die über Jahre vorgibt, Jura zu studieren und nicht den Mut findet, ihren Eltern zu gestehen, dass sie das Studium, einfach nicht mehr schafft. Hier zeigt sich exemplarisch, unter welchem emotionalen Druck junge Erwachsene stehen.
Von diesem Kern aus entwickelten wir den Plot, den wir in eine Schwesternbeziehung eingebettet und angereichert haben mit allen Facetten studentischen Lebens. Die WG wird zur Arena radikal unterschiedlicher Lebensentwürfe . Hier wird sichtbar, wie jede Figur ihren eigenen Weg durch Erwartungen, Selbstzweifel und Leistungsdruck sucht. Im Club lockt das toxische Versprechen, mithilfe aufputschender Drogen Schritt zu halten. Und über allem schwebt die schwarze Wolke des "immer funktionieren Müssens" – an der Uni, beim Sex, im kreativen Ausdruck.
Wir betrachten unsere Figuren mit Zuneigung und erkennen, wie sehr sie darum ringen, in dieser überreizten Welt ihren Platz zu finden. Wir möchten dieses Ringen sichtbar machen, hüten uns aber vor einfachen Lösungen. Als zaghaften Hoffnungsschimmer bieten wir den Glauben daran an, dass Ehrlichkeit – mit sich selbst und mit anderen – ein erster Schritt sein kann, den Druck zu durchbrechen. Manchmal braucht es nur einen Moment der Wahrheit, um aus der Spirale des Funktionierens auszusteigen.
